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Vereinsgeschichte

Vereinsgeschichte des Elseyer Turnverein 1881 e. V.

Zeitungsbericht aus dem General-Anzeiger für Stadt und Amt Hohenlimburg und Umgegend
„Der Gemeinnützige“ vom Mittwoch, den 27. April 1881 (zu diesem Zeitpunkt gab es noch die eigenständige Gemeinde Elsey):

Hohenlimburg, den 25. April.

Wie uns von glaubwürdiger Stelle mitgeteilt worden, das sich auch in Elsey infolge einer stattgehabten Versammlung im Lokale des Wirths Herrn L. Platenius darselbst, zur Gründung eines Turn-Vereins letzterer kürzlich gebildet.
Wir wünschen dem jungen Verein ein schnelles Gedeihen und rufen ihm ein kräftiges Gut Heil zu.“

Es war der 3. April 1881, als sich ein Elsey eine Schar junger Männer bereit fand, die Gedanken Friedrich Ludwig Jahns lebendig werden zu lassen. Aus ganz bescheidenen Anfängen heraus, mit den einfachsten, meist selbst hergestellten Geräten, erwuchs in Elsey bald eine echte Turngemeinschaft.

An ihren Opfersinn wurden große Anforderungen gestellt, die sich noch steigerten, als der Plan zur Errichtung einer eigenen Turnhalle auftauchte.

Dieses Vorhaben entsprang zweifellos einer dringenden Notwendigkeit. Hatte doch der ständige Wechsel des Übungslokals zu Unzuträglichkeiten geführt, sogar in einer Scheune am Reher Weg wurde mehrere Jahre geturnt, die eine geregelte Pflege des Turnens nahezu unmöglich machten.

So wurde der Plan zur Errichtung eines eigenen Heimes gefasst. Durch freiwillige Stiftungen der Bürgerschaft und durch Zusammenlegen eigener Spargroschen kam schon bald ein solch ansehnlicher Betrag zusammen, dass im Jahre 1899 ein genügend großer Bauplatz erworben werden konnte.

In der Jubiläumszeitschrift zum 50-jährigen Vereinsbestehen heißt es: „dass zum Bauen man in früheren Zeiten (gemeint war die Jahrhundertwende) mehr Geld als heute gebraucht würde.“

Die Mitglieder halfen selbst tatkräftig mit an der Errichtung der eigenen Halle. An fast jedem Abend fanden sich 60 – 70 Turner mit Hacke, Schüppe und Karre auf dem Bauplatz ein und führten die Ausschachtungs- und auch die Planierungsarbeiten selbst durch.

Innerhalb von 2 Jahren stand die schöne Halle, die dann später noch durch den Anbau eines Vereins- und Vorstandszimmers erweitert wurde. Die Halle konnte schon bei der Feier des 20-jährigen Vereinsbestehens am 29. und 30. Juni 1901 eingeweiht und in Betrieb genommen werden.

Elsey 1928 aufgenommen vom RaffenbergEine Vorankündigung im General-Anzeiger „Der Gemeinnützige“ vom 27.06.1901 lautete wie folgt:

„Der ETV feiert am Samstag, 29. Juni unter Mitwirkung des selbigen und einiger auswärtiger Vereine sein 20-jähriges Stiftungsfest verbunden mit Hallenweihe in der Turnhalle sowie in den Anlagen des Vereins.

Programm:

Samstag, 29 Juni, abends 8 Uhr

Zapfenstreich verbunden mit Hallenweihe

Sonntag, 30. Juni

Morgens 6 Uhr: Weckruf

Nachmittags: 3 ½ Uhr: Festzug

Nachmittags: 4 Uhr: Concert verbunden mit Showturnen

Abends 8 Uhr: Ball

Die Musik wird ausgeführt von der hiesigen Schneider’schen Kapelle unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters Herrn August Schneider.

Eintrittspreise:

Samstag-Abend frei, Sonntag Concert 0,50 Mark, Ball 1 Mark, Concert und Ball 1,25 Mark.

Turner der zur Deutschen Turnerschaft gehörigen Vereine für die ganze Festlichkeit 0,50 Mark. Damen zum Ball frei.“

Geladen waren natürlich die Hohenlimburger Bruderturnvereine, wie z. B. der Turnverein Jahn-Nahmer, der in der gleichen Ausgabe folgende Anzeige kundtat:

„Sonntag, 30 Juni, Nachmittags 1 ½ Uhr Antreten im Vereinslocale zur Beteiligung and dem Einweihungs-Fest der Turnhalle des ETV.

Allseitiges und pünktliches Erscheinen erwartet.

Der Vorstand

Die Mitglieder erscheinen in Turnermütze.

Aus einem Protokoll des TuS Oege 1900 e.V. lässt sich ersehen, dass der gleich um 5 Mark angepumpt wurde. Der TuS stimmte dem zu und beschloss „in geschlossener Formation“ der Einladung zu folgen.

Am Dienstag, 2 Juli 1901 war zu lesen:

„Vom Turnfest in Elsey. Nun ist es geweiht, das neue Heim des ETV und das die Einwohnerschaft vor allem dem Turnfest ihr Interesse entgegenbrachte, zeugt von einem feinen Verständnis für das überaus nützliche Turnen.

Die Halle ist ein einfacher Bau, umsomehr aber wirkt sie wegen der ansprechenden Umgebung. Die innere dekorative Ausstattung zeigt als Haupt-Glanzpunkt die überlebensgroße Büste des Turnvaters Jahn.“

In den 30iger Jahren erwarb man weiteren Boden mit Waldbestand.

Im Jahre 1912 wurden für die Lichtanlage in der Turnhalle Darlehnsscheine im Betrag von insgesamt 600 Mark ausgegeben, und zwar über je 10 Mark. Sie wurden mit 4 % pro Jahr verzinst. Die Rückzahlung erfolgte durch jährliche Auslosung nach Leistung der Kasse.

Die erste Auslosung wurde im Jahre 1913 vorgenommen. Unterschrieben waren diese Darlehnsscheine vom Vorsitzenden Wilhelm Derkmann, Kassierer M. Schmidt und Schriftführer Karl Seck.

1906 überreichten die Ehren- und passiven Mitglieder Wilhelm Derkmann, Wilhelm Schneider, Friedrich Schläper und Ludwig Stuck dem ETV die noch heute vorhandene Vereinsfahne.

Diese Kostbarkeit war über viele Jahrzehnte der ständige Begleiter der Elseyer Turner und wurde zu allen Veranstaltungen, einschließlich Beerdigungen, wobei sie niemals geschont wurde, mitgeführt.

Die Fahne wurde im Jahr 2000 soweit wie möglich in Handarbeit restauriert.

1910 feierte der Verein auf der Höhe, wo später die Hohenlimburger Jugendherberge stand, ein Bezirksturnfest.

Hier entstand auch das Foto anlässlich des 50-jährigen Bestehens, welches noch heute im Vereinheim aushängt.

Im Herbst 1914 zogen nach und nach 180 Turnbrüder ins Feld. Der Verein zählte zu dieser Zeit 188 Mitglieder. 35 Namen, die nicht wiederkehrten, sind auf der Ehrentafel in unserer Turnhalle verewigt. Diese Tafel wurde anlässlich der Widersehensfeier 1920 enthüllt.

Wurde bisher im Verein nur geturnt, so wurde im Jahre 1912 eine Fußballabteilung gegründet. Ein Jahr später wurde die erste Damenriege gegründet.

Weitere Sportarten folgten:

– 1919 eine Faustball- und Schlagballabteilung

– 1926 eine Schülerriege

– 1927 eine Handballmannschaft und

– 1928 die zweite Handballmannschaft

Zum 50-jährigen Bestehen 1931 zählte der Verein 200 Mitglieder, wobei noch vier Mitbegründer aktiv am Vereinsleben teilnahmen.

Auch dieses Jubiläum wurde wieder gebührend gefeiert. Die selbstständige Stadt Hohenlimburg zählte zu diesem Zeitpunkt 16.435 Einwohner.

In der Zeitung „Der Gemeinnützige“ vom 30. Juli 1931 stand folgende Vorankündigung:

„Der ETV feiert am 1. und 2. August 1931 seine 50-jährige Jubelfeier in den Räumen und Anlagen seiner Turnhalle. Festfolge:

Samstag, 1. August, Nachmittags 5 Uhr

Handball-Werbespiel, Sportplatz Ostfeld

Abends 7 Uhr: Großer Kommers mit Damen unter Mitwirkung des Elseyer Männer-Gesangvereins.“

Eröffnet wurde der große Fest-Kommers mit Damen mit folgenden Worten:

„Gut Heil! Verehrte Gäste, seid willkommen, die ihr von nah und fern erschienen seid, als ihr den Ruf zum Jubelfest vernommen. Der Garten selbst trägt heut’ sein Feierkleid, in Wald und Feld erschallen frohe Lieder, und frischer Tatendrang strafft unsere Glieder.“

Das weitere Programm am Sonntag begann bereits um 6 Uhr mit dem Weckruf.

Um 11.30 Uhr Frühkonzert, Nachmittags 2.30 Uhr Aufstellung des Festzuges auf dem Burgweg.

Die Bürger von Elsey wurden höflichst gebeten, zu flaggen und ihre Häuser zu schmücken.

Der Presse war am 3. August zu entnehmen:

„Es gab an beiden Festtagen vieles zu schauen und zu hören. So besonders an dem in der Turnhalle, die übrigens proppenvoll war, sodaß alle sich im Sitzen sehr eingeschränkt fühlten.

Trotzdem sämtliche Fenster geöffnet waren, wollte kein frisches Abendlüftchen sich angenehm bemerkbar machen. Man transpirierte förmlich; Taschentücher waren in ewiger Bewegung. Gleichwohl hielt das umfangreiche Programm (21 Darbietungen) die Besucher bis weit nach Mitternacht in fröhlicher Runde zusammen.

Anfang des 2. Weltkrieges stand der Verein wieder vor einer schweren Zeit. Die Halle wurde beschlagnahmt, der Turnbetrieb musste ganz eingestellt werden.

Bei einem Fliegerangriff am 2. Dezember 1944 fielen Brandbomben auf das inzwischen angebaute Kastellangebäude und die Halle. Der damalige Kastellan Willi Kiebeler und seine Frau bewahrten den Verein vor einem schweren Verlust. Sie retteten unter Einsatz ihres Lebens den Besitz des ETV.

Bald nach Beendigung des Krieges konnte der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden. Zwei weitere Ehrentafeln, die anlässlich des 75-jährigen Jubiläums am 2. Juni 1956 eingeweiht wurden, enthalten die Namen weiterer 56 gefallender Turnbrüder.

Die erste Nachkriegsversammlung fand bereits am 29. September 1945 statt. Auf der 2. Nachkriegsversammlung am 13. Januar 1946 wurde die Anordnung von höherer Stelle umgesetzt, dass der bisherige Sportgruß „Gut Heil“ durch den Gruß „Frisch Auf“ zu ersetzen sei. Es wurde allen Versammlungsteilnehmern ans Herz gelegt, den neuen Gruß zu pflegen.

Auch die Musik kam nicht zu kurz. Gegründet in den zwanziger Jahren hatte im ETV auch ein Trommlerkorps bestanden. 1948 wurde daraus ein Spielmannszug aus dem 1964 der Spielmannzug „Stadt Hohenlimburg e.V.“ hervorging. Dieser besteht noch heute.

Mit der Eröffnung der Weinhof-Kampfbahn wurde 1951 eine LA-Abteilung gegründet. Anfang der 60er Jahre folgte eine Gymnastikabteilung für Frauen.

Das Sportangebot konnte in den folgenden Jahren laufend erweitert werden:

– 1969 um eine Trampolinabteilung

– Anfang der 70er gründete sich eine Männerriege, die sog. Alten Herren

– 1979 ein Volleyballabteilung

– Anfang der 90er das Hobby-Team, eine gemischte Gruppe im mittleren Alter

– 1994 die Abteilung Sport für Ältere, die in der Zwischenzeit aus 3 Gruppen plus einer Indiaka-Gruppe besteht

– 1999 konnte die letzte Lücke im Lebenslauf geschlossen werden. Bereits ab dem 6. Monat können Kleinkinder
mit Ihren Müttern sinnvolle Bewegung erfahren

– es folgten 2000 die Gründung einer gemischten Aerobic-Gruppe, sowie später einer Tanz-Gruppe

– 2003 ein weiterer Schritt zur Erweiterung unseres Sportangebots mit der Jiu Jitsu Abteilung Yaware. 2008 erfolgte die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften in der Rundturnhalle Elsey. Mittlerweile konnten viele Medaillen auf Deutschen und Weltmeisterschaften errungen werden

– 2012 erfolgte die Gründung einer Gardetanz-Abteilung mit zwei Tanz-Gruppen und Tanz-Mariechen. Seit 2013 erfolgen Auftritte auf Karnevals-Veranstaltungen und Wettkämpfen

Seit 1988 führen wir jährlich in den Wäldern oberhalb des Kirchberg-Stadion im November unseren Herbstwaldlauf (rund um den Bemberg) durch. Mit ca. jeweils über 500 Teilnehmern handelt es sich seit vielen Jahren, um die größte Hagener Breitensport-Veranstaltung. Am 9. November 2013 fand mit der 25. Auflage vorerst der letzte Herbstwaldlauf statt. Nach der Renovierung der leichtathletischen Anlagen im Kirchenberg-Stadion möchte die Leichtathletik-Abteilung zukünftig Leichtathletische-Wettkämpfe im Kirchenberg-Stadion anbieten.

Eine Besonderheit innerhalb des ETV ist sicherlich unser selbständiger Jugendvorstand mit 6 Vorstandsmitgliedern, einer eigenen Satzung die Anhang zur Vereinssatzung ist und somit auch beim Amtsgericht hinterlegt ist. Die beiden Vorsitzenden nehmen regelmäßig an den Vorstandssitzungen des Gesamtvereins teil und haben hier volles Stimmrecht.

Neben vielen eigenständig organisierten Veranstaltungen, wie z. B. Kinderübernachtungen hier in der Turnhalle, das Zeltlager in Elspe, Ausflügen usw. findet jährlich vor der ordentlichen Jahreshauptversammlung des Vereins die Jugend-Jahreshauptversammlung aller Kinder und Jugendlichen statt. Im Rahmen der Jugend-Jahreshauptversammlung findet auch jährlich die Ehrung der Besten sportlichen Leistungen im Schüler- und Jugendbereich statt.

Seit 1971 finden regelmäßig, früher auf dem Gelände der Elspe-Festspiele, heute in der Nähe der Freilichtbühne, ein Zeltlager für Kinder und Jugendliche statt.

Bedingt durch unser Eigentum ist der ETV, ähnlich wie andere Vereine, in der Verpflichtung sein Eigentum nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu erhalten. Denn wie haben wir gelernt „Eigentum verpflichtet“.

Dieses ist leider bei einem 1901 errichteten Gebäude, das täglich von morgens bis spät abends genutzt wird, nicht so einfach.

Kosten für Unterhalt (Strom, Wasser, Heizung, Grundbesitzabgaben, Reinigung, Hausmeister, Renovierungen, Anschaffung und Reparatur für Sportgeräte usw.) werden fast ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen bestritten.

1980 erfolgte der Anbau mit Umkleiden und Dusch- und WC-Räumen. Leider haben wir parallel mit der Fertigstellung des Gebäudes bis heute den Schulsport verloren.

Aufgrund hoher Reparaturkosten, musste die vorhandene Schwing-Bühne leider im Anschluss an die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum im Herbst 2006 zurückgebaut werden.

2009 erfolgte der Austausch der Glasbausteine gegen wärmeisolierende Fenster und der Einbau eines Not-Ausgangs im hinteren Hallenbereich.

2013 erhielt die Turnhalle einen neuen flächenelastischen Sport-Schwingboden mit Fußbodenheizung und die Wände wurden mit einem Prallschutz versehen. Aus energetischen Gründen wurden gleichzeitig die Haus-Eingangstür, die Hallen-Pendeltür und die Keller-Tür ausgetauscht. Außerdem wurde die Turnhallen-Beleuchtung ausgetauscht. Über 700 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden in Eigenleistung von den Mitgliedern geleistet.

Zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1981 zählte der Verein ca. 470 Mitglieder.

Zum Jahreswechsel 2012/2013 zählte der Elseyer Turnverein 1881 e. V. insgesamt 749 Mitglieder.

Beschließen möchte ich den Rückblick auf unsere Geschichte mit einigen Worten von Robert Zündorf, damals Dorfschullehrer in Elsey, entnommen aus der Jubiläumszeitschrift von 1931:

„Hält die deutsche Turnerei an sich schon Leib und Seele jung, so haben sich im ETV im besonderen kaum Alterserscheinungen irgendwelcher Art bemerkbar gemacht, weil keine Losung sich so tief in die Tradition des Vereins eingegraben hat wie das Wort: “Mit der Jugend muss man leben, um im Alter jung zu sein.“

Michael Beckert

Stand: Dezember 2013

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